Andreas Goritschnig & Julia Wohlfahrt

„Wir sind die Drehscheibe vor Ort“
Das Stadtteilmanagement ist Anlaufstelle für alle am Projekt Interessierten und Beteiligten und bereitet den Boden für eine eigenständige Stadtkultur auf.
Andreas Goritschnig & Julia Wohlfahrt
„Wir sind die Drehscheibe vor Ort“

Sie sind die ersten Bewohner von Reininghaus – zumindest vom Reininghaus der Zukunft! Die Reinighaus Gründe waren schließlich schon einmal ein produktiver Ort und auch bewohnt, und werden es bald wieder sein. Wir vom Stadtteilmanagement verbringen ja auch aufgrund dessen, dass wir hier unser Studio und das OPEN.LAB haben, unsere gesamte Arbeitswoche auf den Reininghaus Gründen. Neben den Bauarbeitern sind wir also diejenigen Personen, die Reininghaus im wahrsten Sinne des Wortes bereits beleben. Was unsere Arbeit, angeht stellen wird die Anlaufstelle für alle dar, die dort vorbeikommen bzw. für jene, die mit dem Projekt zu tun haben – Stadt, Bauträger, Institutionen, NachbarInnen, Interessierte usw. Über unterschiedlichste Formate bringen wir aber auch Leute auf das Areal. Etwa in das Stadtteil-Cafe, das mittwochs von 16 bis 18 Uhr geöffnet ist. Das ist die einfachste Form des Kontaktes mit Reininghaus – vorbeikommen, schauen, fragen, austauschen…
Es gibt aber etwa auch Stadtteil-Spaziergänge und Spezialführungen mit Archäologen. Mit dem OPEN.LAB, das wir koordinieren, gibt es auch eine Einrichtung, die den Transformationsprozess kreativ und produktiv begleitet, übrigens in der Reininghausstraße 5, wo diverse Veranstaltungen wie den Pizza-Klub, Filmabende, Ausstellungen und Workshops organisiert werden, aber auch Diskurs stattfindet.

„Jeder ist eingeladen mitzumachen.“

Das heißt, ihr bereitet den Boden für die künftigen BewohnerInnen aber auch für künftige soziale Strukturen auf ?
Ja, wir koordinieren und forcieren hier den Stadtteil-Dialog – und wir fördern jetzt schon soziale Strukturen und arbeiten daran, diese mit allen Beteiligten gemeinsam aufzubauen. Es soll ja alles, was eine Stadt ausmacht, hier mit eingebunden werden; das reicht von der Kinder- und Altenbetreuung bis zur Stadtbibliothek. Wir arbeiten daran mit, dass auf den Reininghaus Gründen von Anbeginn an eine eigenständige Stadtkultur entsteht. Es geht darum, Urbanität wachsen zu lassen, zu informieren und zu vermitteln, was es dahingehend an Bedarf gibt. Dazu bereiten wir auch entsprechendes Informationsmaterial auf, erarbeiten Projekte und setzen diese mit unterschiedlichsten Beteiligten um. Im Juli hat etwa ein erstes zweitägiges Stadtteilfest stattgefunden – Supersommer Reininghaus. Im Herbst wird es weitere öffentliche Informations- und Diskurs-Formate geben. Was uns sehr freut ist, dass auch immer wieder Leute mit Projektvorschlägen zu uns kommen. Es besteht ja hier die einmalige Chance, einen Stadtteil, seinen künftigen Lebensraum, selbst mitzugestalten.

Vom Start weg, Sozialräume schaffen

Euer Aufgabengebiet entwickelt sich also durchaus auch mit dem wachsenden Stadtteil mit?
Ganz genau! Wenn im Frühjahr die ersten BewohnerInnen einziehen, werden wir auch Ansprechpartner für diese Leute sein. Da geht es dann auch viel darum, die Menschen zusammenzubringen, das Miteinander und Füreinander auf verschiedenste Weise zu fördern. So gibt es etwa den Plan, dass die „Lebenshilfe“ und „Jugend am Werk“, die ja nach Reininghaus kommen, sich für das Gemeinwohl einbringen werden. Wir helfen da mit, führen die Leute zusammen!
Eine große Rolle spielt in unserer Arbeit auch das Thema „Sozialraum“. Es gilt darauf zu achten, dass es ausreichend Zwischenräume zwischen Wohnung und Konsumraum gibt – für Freizeit, Sport, fürs Zusammenkommen. Reininghaus kann und soll diesbezüglich zu einem Vorzeigemodell werden. Beispielsweise mit Projekten des „Urban Mining“, wo es darum geht, Ressourcen aus der alten Bausubstanz wiederzuverwenden und aufzuwerten oder „Flora Futura“ wo es darum geht, bestehende Bäume am Areal umzupflanzen, sie somit zu erhalten und zu einem Teil der neuen Grünanlagen zu machen. Einer von vielen spannenden Transformationsprozessen, bei denen man Altes, Bestehendes ins Neue überführt.

Was macht das Stadtteilmanagement?

Andreas Goritschnig studierte Architektur an der TU Graz und an der Kunstuniversität Linz. Seit 2009 Lehrtätigkeiten an der TU Graz, KF Uni Graz und der FH Joanneum. Mit seinem Studio thematisiert und gestaltet er seit 2016 urbane Transformationsprozesse. Er ist Mitglied des Breathe Earth Collective.
Julia Wohlfahrt hat in Graz, Wien und Paris Soziologie studiert und das Masterstudium Social Design an der Universität für angewandte Kunst in Wien absolviert. Sie erforscht als Soziologin vor allem urbane soziale Zusammenhänge und setzt als Designerin hierfür relevante Projekte um.
Wir informieren, koordinieren und begleiten, um den Boden für BewohnerInnen und soziale Strukturen aufzubereiten.
Symbol Stadt Reinginghaus Symbol Stadt Reinginghaus